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Linktipp: spielzeugfreies Kinderzimmer

Eine Freundin hat mir aus ihrer Ausbildung erzählt, was sie über spielzeugfreie Kindergärten gelernt hat. Spielzeugfrei sind Projektzeiten im Kindergarten zwischen 6 Wochen und 3 Monaten. Das meiste  eindimensionale Spielzeug wie Puppen, Fahrzeuge und Kochecke werden für die bestimmte Zeit eingepackt. Mehrdimensionales Spielzeug wie Stifte, Papier, Tücher, Decken oder auch ausgewählte Bausteine (z.B. Kappla) werden bei den Kindern gelassen. Im Ergebnis lösen sich feste Spielgruppen öfter auf und es bilden sich neue Spielgruppen, die nahezu alle Kinder integrieren. Die Einteilung nach Mädchen- und Jungenspiel löst sich auch in ihrer absoluten Trennung auf und es gibt überschneidende Spiele. Selbst in der ersten Klasse sind noch Nachwirkungen spürbar von der 3-monatigen spielzeugfreien Zeit im Kindergarten. Die Kinder sind sozial kompetenter und konzentrierter als Gleichaltrige ohne spielzeugfreie Projektzeit während des Kindergartens.

Gehört hatte ich schon von den Projekten aus anderen Kindergärten. Beeindruckt hat mich aber, dass die Wirkungen bis in die Schulzeit hinein reichen.

Etwas später fingen bei uns zu Hause die Streitereien zwischen den Kindern um das Spielzeug an. Die Schwester fing an zu krabbeln und das Spielzeug vom Bruder zu nehmen. Der Bruder fing an, schon vorbeugend alles wegzunehmen und überhaupt. Die Schwester war zum Spielen zu klein und verstreute alles. Der Bruder machte mit und schoss alles rum. Wir passten auf, dass nichts zu Bruch geht. Das Gestreite und Geschimpfe nervte besonders uns Erwachsene und es entstand sehr schnell der Gedanke, einfach den Grund des Streitens / das Spielzeug mal wegzunehmen.

Aber wie macht man das zu Hause? Google kann an der Stelle kaum helfen. Es gibt zwar inzwischen viel Informationen über spielzeugfreie Kindergärten. Aber nichts über zu Hause. Bis ich auf die Seite gestoßen bin: Spielzeugfreies Kinderzimmer. Die Eltern schrieben ebenfalls, dass sie angenervt waren von dem wild herumliegenden Spielzeug. Und sie haben tolle Ideen, wie man Spielzeugfrei zu Hause umsetzen kann, mit Spielzeugtauschmöglichkeiten und wie sie sich mit den Kindern gemeinsam abstimmen. Großartig.

Und dann stand meine Idee, die Adventszeit bei uns zu Hause auch spielzeugfrei (na gut, eher spielzeugarm) zu gestalten. Und mit dem Sohn habe ich eine ganze Menge Spielzeug schlafen gelegt, wir haben extra noch einen Mond und Sterne für das Spielzeug gemalt, damit es sich alleine nicht fürchten muss. An jedem Adventssonntag bieten wir eine Tauschmöglichkeit an (und wegen Krank auch mal zwischendurch).

Spannend finde ich, welches Spielzeug er wirklich braucht. Die kleine Schwester braucht von sich aus sowieso noch kein Spielzeug. Sie wuselt durch die Wohnung und ist noch im Entdeckermodus. Sie liebt besonders die Bilderbücher und den Sandschieber. Für die Adventszeit habe ich extra noch mal Nachschub an Sand gekauft. Er spielt am liebsten seine Autos, baut aber nicht mehr enorm viele Ecken auf, sondern hat durch die reduzierte Anzahl nur noch eine Straßenecke. Ansonsten spielt er wie vorher, er schaut etwas Bücher an und wünscht sich auch mal ein Spiel oder Malen mit den Erwachsenen.

Insgesamt haben wir jetzt fast 4 Wochen durch. Und entweder war es sowieso an der Zeit, dass sie anfangen, sich begrenzt als Spielpartner wahrzunehmen oder es hat vielleicht sogar ein bißchen mit dem geringeren Streitangebot zu tun. Ich erlebe wohltuend, dass das Aufräumen absolut leichter ist. Und da nicht mehr an 5 oder 6 Stellen Autos aufgebaut sind, an die keiner dran stoßen darf, macht die kleine Schwester automatisch weniger „falsch“, wenn sie irgendwo spielt, wo früher seine Autos standen und heute aber Platz ist.

Wir werden auf jeden Fall das ein oder andere als Anregung mitnehmen. Besonders toll fand ich die Hinweise, welches Spielzeug sich Kinder wünschen und was Eltern schenken sollen. Damit habe ich für dieses Weihnachtsfest einfach kaum was für die Kinder gekauft. Es gibt für jeden ein gedrucktes Babyfotobuch, weil sie sich gern anschauen. Und für den Großen habe ich ohne seinen Wunsch ein Stethoskop gekauft, weil es für Kinder sehr spannend sein kann, ihre Umwelt zu entdecken und zum Beispiel Bäume zu hören. Ich habe mich aber schon darauf eingestellt, dass es ihm nichts bedeuten wird. Mehr überflüssiges Spielzeug wird es von uns nicht geben.

dsc02683-2Das meiste, was wir zwischendurch feststellen, kriegen die Kinder (leider) schon zwischendurch, wie den Spielsand im Schieber. Der hat sich aber als Alternative zum Spielzeug während unseres Projekts absolut bewährt. Und neugierig bin ich auf nächstes Jahr, wenn er anfangen wird, sich tatsächlich selbst Dinge zu wünschen.

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