Archiv der Kategorie: Aufwachsen

Welches Kita-Konzept passt zu meinem Kind?

Wer einen Kindergartenplatz für sein Kind sucht, sieht sich mit einer unüberschaubaren Vielfalt an Konzepten konfrontiert. Es gibt das vielpropagierte und vielgescholtene offene Konzept, das Gruppenleiter, altersgemischte oder altershomogene Gruppen, Reformpädagogik heute Kitas oder Einflüsse wie Reggio, Fröbel oder Montessori, Waldkindergärten oder Experimentierkasten. Ich kann über alle Strömungen keinen Überblick geben, es sind zu viele und ehrlich gesagt, kenne ich gar nicht sämtliche Unterschiede im Detail. Wie sucht man aber als Eltern da die richtige Kita aus?

Zuallererst ist es entscheidend, wo man wohnt und wieviel Kinder wieviel Plätzen gegenüber stehen. Wer im Dorf nur eine Kita hat und keine in Arbeitsnähe, der braucht sich mit Konzepten nicht befassen, sondern hofft, dass die Kita gut ist und das Kind sich wohl fühlt. Mehr Auswahl ist in diesem Fall nicht zu erreichen.

Wer in einer Stadt mit vielen Kindern und wenig Kitas lebt, der kann froh sein, einen Platz zu bekommen. Meist sind aber in einer Kita Plätze frei, weil diese einfach keinen Draht zu den Kindern hat und es den Kindern nicht so gut geht. Eine Kita zum Wohlfühlen zu bekommen, ist in dem Fall so toll und so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto, sollte aber unbedingt versucht werden. Wenn das Kind sich nicht wohlfühlt im zugewiesenen Platz, hilft es nur, bei sämtlichen Kitas in der Umgebung nach einem Wechselplatz zu fragen. Als Wechsler hat man normalerweise schlechte Karten, aber einen Vorteil: die Betreuung des Kindes ist notdürftig auf jeden Fall abgesichert und man kann flexibel in einer anderen Kita zusagen, falls dort ein Platz frei wird. Eltern, die nach der Elternzeit wieder arbeiten müssen, können nicht noch spontan 1 oder 2 Monate zu Hause dranhängen. Und wenn eine Familie in der Kita durch einen Arbeitsplatzwechsel in eine andere Stadt umzieht, wird in der Regel sehr kurzfristig ein Platz frei. Für solche Plätze lohnt sich auf jeden Fall die Anfrage in anderen Kitas und die geringe Chance eines Platzwechsels.

Wer in seinem Wohnort mehr Plätze hat als Kinder, der hat tatsächlich die Auswahl und kann sich die Konzepte näher anschauen. Grundlegend ist aber bei allen Konzepten, welche Einstellungen die Pädagogen zum Kind haben. Sind sie die Bestimmer und wissen Kraft ihres Alters alles besser? Oder haben sie die Kinder und den Beruf gern und sehen ihn als Berufung? Entdecken die Erzieher die Welt mit den Kindern und greifen ihre momentanen Interessen auf? Dürfen Kinder matschen und schmutzig werden? Oder sind die Erzieher angestrengt und müssen sich im Garten erst mal ausruhen?

Wie sollte es denn sein? Pädagogen haben bestenfalls Freude an ihrem Beruf. Wer seinen Beruf gern hat und früh gern zur Arbeit kommt, der kann auch mit den Kindern geduldig und fröhlich umgehen. Wer einfühlsam das Kind wahrnimmt, kann bei Abschiedsschmerz oder Heimweh trösten, aber auch Fragen der Kinder aufgreifen. Wenn die Kinder sich gerade für Dinosaurier interessieren, kann ein Pädagogen zwar Radieschen mit den Kindern pflanzen und Gartenkunde betreiben, ohne dass es den Kindern schadet, aber er kann auch mit den Kindern gemeinsam erkunden, was Dinosaurier vielleicht gegessen haben und mit den Kindern einen Salat pflanzen oder eine Dino-Woche mit den Kindern gestalten. Kinder haben in der Regel durch eigene Geschwister und andere Kontaktpersonen schon viel eigenes Wissen, welches sich in einer Gruppe zu neuen kreativen Ideen entwickelt.

Damit wird nach meiner Erfahrung völlig nebensächlich, ob ein Kind in einem Gruppenkonzept, in einer offenen Kita, in einer Fröbel- oder Reggio-Kita oder in einem Waldkindergarten betreut wird. Selbst eine Erzieherin aus tiefsten DDR-Zeiten, die die Kinder alle gesammelt um 11.00 auf Toilette schickt und verordnetes saisonales Bastelangebot macht, ist für Kinder gut, wenn sie die Kinder mit Aufmerksamkeit und Zuwendung bedenkt. Es gibt Kitas, in denen einzelne Kinder nicht angesprochen werden und sich entsprechend nicht wahrgenommen fühlen und wirklich unglücklich sind.

Wer eine Kita besichtigt, kann schauen, ob sich Kinder wohlfühlen, ob sie lachen, ob Erwachsene sich beim Sprechen runterbeugen oder von oben herab reden, wie Erwachsene über Kinder sprechen (wohlwollend oder abwertend). Das sind die Kriterien. Ob gebastelt wird, ob das Kind Schere-schneiden übt, ob das Kind Ausflüge macht (die mit dem mageren Personalschlüssel sowieso nicht eingeplant sind und politisch nicht als Aufgabe einer Kita gesehen werden), ob ein Kind Muttertagsgeschenke nach Hause bringt, ist nebensächlich und kein Qualitätskriterium. Schulreif wird ein Kind unabhängig davon.

Grundsätzlich sind nach meiner Erfahrung eine Vielzahl an christlichen Kitas gute Kitas (gleichwohl nicht ausnahmslos alle). Das liegt in der Regel nicht an der besseren Ausbildung oder an einer tollen Vergütung, sondern daran, dass christliche Kitas bei der Auswahl ihrer Pädagogen Wert auf eine christliche Prägung legen. So wie ich es erlebt habe, kommen dadurch häufiger Kollegenteams mit einer wertschätzenden Grundhaltung und dem Respekt vor dem Leben und dem Mitmenschen zusammen. Das entspricht genau der Aufmerksamkeit und Zuwendung, die Kinder von Pädagogen bedürfen, die aber auch die Pädagogen untereinander als Team bedürfen. Zauberkitas sind auch sie nicht. Es gibt auch dort schlechte Tage der Pädagogen und auch dort fällt mal ein Kind hin und Kinder streiten sich. Aber in der Mehrheit sind die Kinder gut aufgehoben und zufrieden. Das Gleiche gilt auch für bestimmte reformpädagogische Ansätze. Wenn Erzieher sich für ein reformpädagogisches Angebot begeistern, so kommen auch dort häufig die notwendigen Grundkompetenzen von Anerkennung und Zuwendung zusammen. Unabhängig davon können auch alle „normale“ Dorfkitas oder Stadtkitas mit einem harmonischen Team und Kindorientierung aufwarten.

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ungegenderte Kindersachen einkaufen

Die meisten Kindersachenausstatter haben eine rosa und eine blau/graue Abteilung. Dazwischen verläuft eine Grenze, die unüberwindbar ist. Das war noch nicht immer so.

Früher waren Sachen wert und teuer, man war froh, eine Ausstattung für das Kind zusammen zu bekommen. Die Sachen waren weiß, weil es keine farbige Kochwäsche gab. Daher kommt es, dass Babys dieses unschuldige Weiß als Farbe zugeschrieben bekommen.  (Das hat mit den modernen weißen Sachen, die nur bei 30°C gewaschen werden können, nichts zu tun.) Die Babys hatten außerdem alle Kleider an, damit man sie wickeln kann. Die Sachen mit den Druckknöpfen sind eine recht neue Erfindung, und damit auch die Möglichkeit, Babys Hosen anzuziehen.

Erst der Sonntagsstaat der größeren Kinder war gegendert. Die Alltagssachen würden von groß zu klein weiter gegeben, unabhängig vom Geschlecht.

In den 90ern gab es den bekannten Geburtenknick. Und das brachte die gesamten Babyausstattungshersteller in Bedrängnis. Entweder verkauft man den halb so vielen Eltern doppelt so viel Ware oder man geht pleite. Das war tatsächlich die Geburtsstunde nicht nur von Ross Lego, sondern von der gesamten farbigen Warentrennung. Ziel war es nicht mehr, zwei Familien Bausteine zu verkaufen, sondern der einen Familie doppelt so viele Bausteine zu verkaufen. Dieser Trend setzt sich bis heute fort.

Es gibt allerdings auch heute noch einzelne Ausstatter, die bewusst Anderes anbieten und dabei gezielt neutrale Färbungen verwenden. Dabei mag man von den Philosophien der Firmen halten, was man möchte, im Bereich Kindersachen ist es sehr nachhaltig gedacht. Dort ist für den Endhaushalt auf jeden Fall Jakoo und Ikea zu nennen. Deren Spielzeug und viele andere Produkte sind ungegendert erhältlich und werden nur, um die Nachfrage nach Rosa und Blau auch zu bedienen, bei Farbauswahl in diesen Farben mit angeboten. Primär ist dort aber die Doppelnutzung von beiden Geschlechtern vorgesehen.

Eine weitere Empfehlung sind die Kindergartenausstatter. Kein Kindergarten kann sich eine doppelte Ausstattung in Rosa und Blau leisten. Auch dort kann man als  Endkunde vielseitige und ungegenderte Sachen einkaufen, zum Beispiel bei Dusyma, Wehrfritz oder Aurednik.

Jakoo

Ikea

Dusyma/Wehrfritz/Aurednik

Freundinnen während der Wochenbettzeit

Eher über zufällig bin ich auf das Thema der CNBC’s oder OK’s gestoßen. CNBC steht für Childless-Not-By-Choice und trifft es besser als der deutsche Begriff Ohne-Kind. Wenn Frauen sich Kinder wünschen und keine bekommen, ist das inzwischen ein Tabuthema.

Geschichtlich gab es in Deutschland eher mehr Frauen ohne Kinder als mit Kindern. Gesellschaftlich war es nur Bäuerinnen und Bauern mit Landbesitz oder noch Wohlhabenderen gestattet, Kinder zu bekommen. Das heißt, der älteste Sohn mit Frau bekam die Kinder, seine jüngeren Geschwister hingegen müssten sich anderweitig als Knechte und Mägde verdingen oder ins Kloster gehen. In dieser Zeit waren die Klöster mit die entscheidendste Vorsorgemöglichkeit, wo generationsübergreifend füreinander gesorgt wurde und auch die Pflege bis zum Tod abgesichert war. Die kinderlose Jungfer war in der Zeit das Normalbild.

Noch zum zweiten Weltkrieg waren Lehrerinnen ledig und kinderlos und schieden mit der Familiengründung aus dem Staatsdienst aus.

Erst nach den Babyboomern in den 50er Jahren nahm die Anzahl der Kinder pro Frau ab. Die Pille kam auf.  Die Ein- und Zwei-Kind-Familien verbreiteten sich. Die medizinischen Möglichkeiten erweiterten sich. Auf einmal war Kinderlosigkeit keine Normalzustand mehr, sondern individuelles Versagen oder Nichtnutzung der Reproduktionsmedizin. Und damit rutschte das gesamte Thema der ungewollten Kinderlosigkeit ins Verborgene und würde tabuisiert. Wer spricht heute gern laut darüber?

Wenn man jung ist und die erste der Freundinnen, die ein Kind bekommt, sind die anderen in der Regel noch guter Hoffnung, selbst mal dazu zu gehören. Doch wenn man schon älter ist und die Freundin noch kein Kind hat, lohnt sich ein genauerer Blick. An ungewollter Kinderlosigkeit sind schon viele Freundschaften zerbrochen. Wenn eine sich sehnlichst ein Kind wünscht und die andere es bekommt, ist das schwer, oder sogar gar nicht, auszuhalten.

Was kann ich tun? Meist ist es eine Hilfe, aus dem negierten Bereich des Tabuthemas eine Stimme zu bekommen. Es lohnt sich die offene Nachfrage: „Wie geht es dir? Tut es dir weh oder ist es für dich in Ordnung?“ Wenn es weh tut, kann es gut tun, dass man sich mit dieser Freundin nicht über Windeln und Stillprobleme austauscht, sondern  es nutzt, einmal kindfrei zu machen und ins Kino oder Museum zu gehen. Gemeinsam mal nicht nur Mutter, sondern erwachsene Frau sein,  ist ein Thema für solche Freundschaften. Und nimmt ein ganz klein wenig vom Stachel des Neides, wenn es nicht nur um das Baby geht, sondern um das Gegenüber. Ein Patentrezept zum Retten aller Freundschaften ist das nicht, aber eine Möglichkeit, traurige Freundinnen nicht übermäßig zu belasten.

Alleine schlafen

Wir wurden lange Zeit belächelt, weil ein Elter immer mit im Kinderzimmer geschlafen hat und unser Elternschlafzimmer recht verwaist war.

Zu Beginn schlief ich mit dem Baby in einem Bett. Dann wurde der Große nach unten auf ein kleineres Bett umquartiert und das kleine Mädchen war das neue Baby. Als das Mädchen abgestillt war, durfte der Sohn wieder nach oben in das große Bett umziehen und die beiden Geschwister schlafen seitdem zusammen im Bett. Dazwischen liegt eine Kuschelrolle und das Stillkissen, um jedem seinen Platz zu ermöglichen und abzugrenzen. Alleine haben die Kinder trotzdem noch nicht geschlafen. Bis vor kurzem schlief noch ein Elter unten auf der Matratze, die vorher dem Sohn gehörte. Dadurch war der Weg kurz für „Wo ist meine Flasche? / wo ist mein Kuscheltier? / Ich friere, deck mich zu!“ Aber jetzt sind wir nur noch zur Hilfestellung beim Einschlafen dabei, dann können wir ins Elternschlafzimmer gehen. Die Kinder kommen am Wochenende zwar nach 6 kuscheln. Doch wenn sie während der Nacht aufwachen, gehen sie in ihr vertrautes Bett ins Kinderzimmer. Bis jetzt ist noch kein Umzug in unser Zimmer gewesen.

Viele meiner Bekannten haben das Kind im Elternschlafzimmer gehabt. Wir haben es andersrum gemacht, bei uns haben die Eltern im Kinderzimmer mitgeschlafen. Dadurch muss sich das Kind nicht umgewöhnen, wenn es ausquartiert wird, sondern die Eltern wechseln das Zimmer ins Elternzimmer. Soweit die Theorie. Bisher stimmt sogar die Praxis, ich bin sehr überrascht.

 

 

Kindersitz auf dem Fahrrad

Als ersten Fahrradsitz haben wir den WeeRide erworben. Ich habe einen Frontsitz gesucht und da gibt es nicht viele gute. Als kurzes Fazit: Super Empfehlung.
Die offizielle Richtlinie begrenzt Frontsitze auf 3 Jahre und 15 kg. Der WeeRide ist für bis zu 4 Jahre und 20kg ausgelegt, was uns für unseren großen schlanken Sohn recht entgegen kam. Sonst hätten wir schon für den 2jährigen keinen Sitz mehr gehabt.

Seit er 3 ist, ist er groß, geschickt und vernünftig genug für den DDR-Sitz. Mit dem sind wir auch super zufrieden.
Der DDR-Sitz hat sicher auch einen offiziellen Namen, den ich natürlich nicht kenne. Da die Füße nicht festgeschnallt sind, ist ein externer Speichenschutz vorgeschrieben, zu dem ich auch dringlich rate. Um von A nach B zu kommen, braucht man keine gebrochenen Füße.
Bei uns sind beide Kinder scharf auf den großen Sitz, weil sie dort wie die echten Radler sitzen können. Aber nur der Große kann dort mitfahren, das Mädchen muss noch wachsen. Manchmal darf sie eine kurze Strecke beim Schieben vorn sitzen und sich groß fühlen.

Wenn ich beide Kinder mitnehme, habe ich einen normalen Hecksitz ergänzend bekommen, wo das Mädchen drin sitzt.

Ob man sich für einen Front- oder Hecksitz entscheidet, ist Geschmackssache. Ob ein Front- oder Hecksitz sicherer ist, kommt auf die Statistik an. Ganz sinnvoll und sich mit meinen Beobachtungen deckend hat es die Stiftung Warentest beschrieben. Beide Sitze haben Vor- und Nachteile. Hinten kann sich das Kind besser anlehnen und hat mehr Bewegungsfreiheit, gleichzeitig ist es aber auch sehr festgeschnallt. Nur wenn das Kind eng angegurtet ist, ist es vor seitlichem Rausfallen geschützt. Vorne kann im Unfallfall der Fahrer auf das Kind stürzen. Ich weiß von vielen Leuten, die mir aber auch gesagt haben, durch den schlechten Schwerpunkt der Hecksitze sei ihnen das Fahrrad schon mit Kind umgekippt oder fast umgekippt. Damenräder neigen mit Hecksitz zum Rahmenflattern. Ich persönlich habe mich bei eigener Wahl eher für die Frontsitze entschieden. Das Kind kann mit mir erzählen und hat einen super Blick. Unser Tourenlänge beschränkt sich in der Regel auf die Bringewege früh und nachmittags. Der Hecksitz kam erst bei der Notwendigkeit des Doppeltransports dazu.

 

 

Kinder richtig hochheben

Wenn meine Eltern Kinder hochheben, fassen sie immer an den Armen an und stemmen das Kind dann hoch. Damit hängt aber das ganze DSC02810Gewicht des Kindes an den Schultergelenken. Wenn das Kind noch jung ist, sind die Bänder der Gelenke noch nicht ausgereift und stabil, sondern können sich bei Überlastung dehnen und das Gelenk kann auskugeln. Wenn man das Kind dann so trägt, ist es sehr ungünstig, einmal hochheben durch die Großeltern verkraftet das Kind.

DSC02813Besser ist es jedoch für den Alltag, das Kind am Brustkorb zu fassen. Das erste Mal ist es vielleicht ein unangenehmes Gefühl, als ob ich dem Kind beim Hochheben die Luft abdrücke. Der Brustkorb ist aber sehr robust und das Kind fühlt sich nicht gestört durch ein festes Zupacken und hochheben.

stündlich geweckt und wieder einschlafen für Eltern

Ich selbst bin ein Vielschläfer. Die Mehrheit der Menschen braucht ca 8 Stunden Schlaf, ich 9. Man kann seinem Körper aber abverlangen, dauerhaft mit etwas weniger auszukommen. Gesellschaftlich hat sich die Schlafdauer seit hundert Jahren von ca 9 auf ca 7,5 Stunden verkürzt, diese Kürzung ist aber bei mir noch nicht angekommen. Der individuelle Preis für dauerhaften Schlafmangel ist ein geschwächtes Immunsystem. In unserer Gesellschaft ist es aber eher die Regel zu wenig Schlaf zu bekommen als die Ausnahme. Unabhängig von jeder persönlichen Veranlagung und persönlichen Tagesabläufen sind junge Eltern gezwungen mit wenig Schlaf auszukommen.

Für mich war es fatal. Da ich ohnehin nie in der Lage war, mit weniger Schlaf auszukommen, hat mich der Mangel besonders hart getroffen. Mein Kind wollte alle 2 Stunden trinken. Ich konnte dabei nicht einschlafen, so dass ich zwischen den Trinkphasen auf eine reichliche Stunde Schlaf gekommen bin. Nach einer Nacht mit 9 Stunden und 6 Stillpausen kam ich also auf gestückelte 5 bis 6 Stunden Schlaf. Tagsüber war ich schrecklich müde und frustriert. Der tolle Tipp: Schlaf doch tagsüber mit deinem Kind mit! hat bei mir eher die Frustration erhöht, weil ich tagsüber so unter Strom stand, dass ich nicht einschlafen konnte.

Was mir tatsächlich geholfen hat, war die Aussage meines Vaters. Er bezog sich auf Schichtarbeiter. Die sind früher häufig mit den Zug zur Arbeit gefahren. Wer richtig müde ist, hat sich hingesetzt und im Sitzen sofort geschlafen, trotz Schichtarbeit. Wenn ich also nicht eingeschlafen bin neben meinem Kind, war ich also noch nicht so ausgelaugt, dass ich am Ende der Belastung war, wo Schlafentzug in Richtung Wahnvorstellungen und Tod geht. Das klingt erstmal sehr komisch und auch nicht aufbauend. Mir hat es aber insofern geholfen, dass ich mich entspannter neben mein Kind legen konnte und mich ausgeruht habe. Das ich nicht eingeschlafen bin, hat mich nicht mehr so frustriert, weil ich zwar müde war, aber noch nicht am tödlichen Limit, also noch (leichte) Reserven zur Verfügung standen. Glänzende Laune war trotzdem nicht möglich, aber ich war nicht mehr so enorm frustriert. Beim zweiten Kind war ich von vornherein entspannter und habe mich daneben gelegt und mitgeruht.  Nach derartig zerstückelten Nächten war natürlich meine Leistungskurve entsprechend niedrig, aber meine Ansprüche auch. Und mit derartig wenig Kraft lässt sich in einem Jahr Elternzeit eben nicht die Welt verändern, sondern nur ein Kind ein Jahr älter werden.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, mit der Dauerspannung und Müdigkeit umzugehen, Meditationen (der Rosenkranz ist als Litaneigebet eine katholische Form der Meditation, allerdings sehr traditionell, aber auch sehr zum Einschlafen geeignet), Sport und Rausgehen für den eigenen Biorhythmus, und Kaffee nach dem Aufstehen (wer stillt, trinkt ihn nicht vor dem Schlafen 😉 ). Letzlich gilt: tagsüber wach bleiben. Wenn das Kind schläft, mit ruhen oder sogar einschlafen. Haushalt nur machen, was mit wachem Kind geht, alle Schlafenszeiten des Kindes sind zu 100% Mama-Zeit, zum Schlafen/Ruhen/Lesen/Füße-hochlegen.

Als genereller Tipp gilt für Kinder wie für Erwachsene: Im Gegenzug zu den alten Röhrenfernsehern haben die neuen Flatscreens von Smartphone und Fernseher eine nachteilige Lichtwirkung. Die Blauanteile machen wach statt müde, beim Schlafengehen eine Tücke. Was mir geholfen hat, war mein MP3-Player mit Internetzugang mit Hörspielen. Oder zumindest habe ich die Sendungen nur gehört. Welche Sendung einem gefällt, muss jeder für sich herausfinden. Für mich persönlich hat selbst Bibi Blocksberg eine zu hohe Spannungskurve, um dabei einzuschlafen, andere schlafen bei TKKG hervorragend ein. Ich habe die alten Sendungen von „genial daneben“ für mich entdeckt. Durch die Beantwortung von einzelnen Fragen war der „Spannungsverlauf“ auf ca. 10 Minuten beschränkt, es gibt keine akustischen Spitzen, bei denen ich immer aufwache, sondern ein eher rauschendes Sprachgewirr. Wenn ich wach bin, sind die Gespräche sehr unterhaltsam, so dass ich nicht ins Grübeln komme (das ist sonst ein sehr massiver Schlafräuber). Aber die Gespräche sind nicht politisch bedeutsam oder sonstwas, als dass Gefühle angesprochen werden, die einen wieder vom Schlafen abhalten. Außerdem sind es „nur“ Gespräche, so dass man nicht zwangsläufig hinschauen muss, sondern es sich über das Hören erschließt (was den Bildschirm nebensächlich macht und beim Einschlafen wieder hilft).