Archiv für den Monat August 2017

ungegenderte Kindersachen einkaufen

Die meisten Kindersachenausstatter haben eine rosa und eine blau/graue Abteilung. Dazwischen verläuft eine Grenze, die unüberwindbar ist. Das war noch nicht immer so.

Früher waren Sachen wert und teuer, man war froh, eine Ausstattung für das Kind zusammen zu bekommen. Die Sachen waren weiß, weil es keine farbige Kochwäsche gab. Daher kommt es, dass Babys dieses unschuldige Weiß als Farbe zugeschrieben bekommen.  (Das hat mit den modernen weißen Sachen, die nur bei 30°C gewaschen werden können, nichts zu tun.) Die Babys hatten außerdem alle Kleider an, damit man sie wickeln kann. Die Sachen mit den Druckknöpfen sind eine recht neue Erfindung, und damit auch die Möglichkeit, Babys Hosen anzuziehen.

Erst der Sonntagsstaat der größeren Kinder war gegendert. Die Alltagssachen würden von groß zu klein weiter gegeben, unabhängig vom Geschlecht.

In den 90ern gab es den bekannten Geburtenknick. Und das brachte die gesamten Babyausstattungshersteller in Bedrängnis. Entweder verkauft man den halb so vielen Eltern doppelt so viel Ware oder man geht pleite. Das war tatsächlich die Geburtsstunde nicht nur von Ross Lego, sondern von der gesamten farbigen Warentrennung. Ziel war es nicht mehr, zwei Familien Bausteine zu verkaufen, sondern der einen Familie doppelt so viele Bausteine zu verkaufen. Dieser Trend setzt sich bis heute fort.

Es gibt allerdings auch heute noch einzelne Ausstatter, die bewusst Anderes anbieten und dabei gezielt neutrale Färbungen verwenden. Dabei mag man von den Philosophien der Firmen halten, was man möchte, im Bereich Kindersachen ist es sehr nachhaltig gedacht. Dort ist für den Endhaushalt auf jeden Fall Jakoo und Ikea zu nennen. Deren Spielzeug und viele andere Produkte sind ungegendert erhältlich und werden nur, um die Nachfrage nach Rosa und Blau auch zu bedienen, bei Farbauswahl in diesen Farben mit angeboten. Primär ist dort aber die Doppelnutzung von beiden Geschlechtern vorgesehen.

Eine weitere Empfehlung sind die Kindergartenausstatter. Kein Kindergarten kann sich eine doppelte Ausstattung in Rosa und Blau leisten. Auch dort kann man als  Endkunde vielseitige und ungegenderte Sachen einkaufen, zum Beispiel bei Dusyma, Wehrfritz oder Aurednik.

Jakoo

Ikea

Dusyma/Wehrfritz/Aurednik

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Freundinnen während der Wochenbettzeit

Eher über zufällig bin ich auf das Thema der CNBC’s oder OK’s gestoßen. CNBC steht für Childless-Not-By-Choice und trifft es besser als der deutsche Begriff Ohne-Kind. Wenn Frauen sich Kinder wünschen und keine bekommen, ist das inzwischen ein Tabuthema.

Geschichtlich gab es in Deutschland eher mehr Frauen ohne Kinder als mit Kindern. Gesellschaftlich war es nur Bäuerinnen und Bauern mit Landbesitz oder noch Wohlhabenderen gestattet, Kinder zu bekommen. Das heißt, der älteste Sohn mit Frau bekam die Kinder, seine jüngeren Geschwister hingegen müssten sich anderweitig als Knechte und Mägde verdingen oder ins Kloster gehen. In dieser Zeit waren die Klöster mit die entscheidendste Vorsorgemöglichkeit, wo generationsübergreifend füreinander gesorgt wurde und auch die Pflege bis zum Tod abgesichert war. Die kinderlose Jungfer war in der Zeit das Normalbild.

Noch zum zweiten Weltkrieg waren Lehrerinnen ledig und kinderlos und schieden mit der Familiengründung aus dem Staatsdienst aus.

Erst nach den Babyboomern in den 50er Jahren nahm die Anzahl der Kinder pro Frau ab. Die Pille kam auf.  Die Ein- und Zwei-Kind-Familien verbreiteten sich. Die medizinischen Möglichkeiten erweiterten sich. Auf einmal war Kinderlosigkeit keine Normalzustand mehr, sondern individuelles Versagen oder Nichtnutzung der Reproduktionsmedizin. Und damit rutschte das gesamte Thema der ungewollten Kinderlosigkeit ins Verborgene und würde tabuisiert. Wer spricht heute gern laut darüber?

Wenn man jung ist und die erste der Freundinnen, die ein Kind bekommt, sind die anderen in der Regel noch guter Hoffnung, selbst mal dazu zu gehören. Doch wenn man schon älter ist und die Freundin noch kein Kind hat, lohnt sich ein genauerer Blick. An ungewollter Kinderlosigkeit sind schon viele Freundschaften zerbrochen. Wenn eine sich sehnlichst ein Kind wünscht und die andere es bekommt, ist das schwer, oder sogar gar nicht, auszuhalten.

Was kann ich tun? Meist ist es eine Hilfe, aus dem negierten Bereich des Tabuthemas eine Stimme zu bekommen. Es lohnt sich die offene Nachfrage: „Wie geht es dir? Tut es dir weh oder ist es für dich in Ordnung?“ Wenn es weh tut, kann es gut tun, dass man sich mit dieser Freundin nicht über Windeln und Stillprobleme austauscht, sondern  es nutzt, einmal kindfrei zu machen und ins Kino oder Museum zu gehen. Gemeinsam mal nicht nur Mutter, sondern erwachsene Frau sein,  ist ein Thema für solche Freundschaften. Und nimmt ein ganz klein wenig vom Stachel des Neides, wenn es nicht nur um das Baby geht, sondern um das Gegenüber. Ein Patentrezept zum Retten aller Freundschaften ist das nicht, aber eine Möglichkeit, traurige Freundinnen nicht übermäßig zu belasten.

Schlaftrainer

Es gibt die verschiedensten Theorien und Methoden zum Schlafen von Kindern. Um die soll es alle NICHT gehen.

Dafür haben wir ein Gadget, was mit Gold nicht aufgewogen werden kann.

Unsere Kinder gehören unabhängig von der Uhrzeit des Schlafengehens zu den Frühaufstehern. Das lässt sich mit einem langen Urlaub vielleicht eine halbe Stunde nach hinten verschieben, aber im Alltag bin ich trotz Wecker oft nicht die, die zuerst wach ist.

Unsere Hilfe ist ein Schlaftrainer, völlig bescheuerter Name, aber funktionaler Inhalt. Es ist ein Nachtlicht mit Uhr. Anstelle, dass es angeht, wenn es dunkel wird, leuchtet es den ganzen Tag. Wenn es hell ist, leuchtet die obere Hälfte und wenn es dunkel ist, die untere. Durch die zwei Motive auf der Scheibe ist der Hase entweder aufgestanden oder schläft. 
Wann genau er schlafen soll, kann ich mit der Uhr programmieren. Unser Hase steht zum Beispiel um 6.15 Uhr auf. Das ist für unsere Kinder tatsächlich spät, sie würden von alleine sonst halb 6 aufstehen. Nein, danke, das ist mir bei aller Liebe zu früh. Die Erklärung für die Kinder ist einfach und verständlich. Wenn der Hase aussteht, dürfen sie mit aufstehen, andernfalls Hinlegen und Augen zu. Es vereinfacht auch nächtlichen Pullerngehen. Ist es nicht schon früh, wenn das Kind wach ist und spielen will oder nicht? Jetzt ist bei uns eindeutig Nacht solange der Hase schläft. Also können die Kinder auch nachts getrost wieder ins Bett gehen bis zum richtigen Morgen.

Auch die Kuschelrunde am Wochenende startet jetzt immerhin erst 6.15 Uhr und nicht eher.

Empfohlen wird ein Schlaftrainer ab 3. Hochmotiviert dachte ich, das ist übertrieben. Das kann man schon eher erklären. Was soll ich sagen, bevor der Große 3 war, hatten wir ein hübsches Nachtlicht. In dem halben Jahr um seinen dritten Geburtstag hat er es dann von ganz allein verstanden. Da hatte also bei uns der Hinweiszettel recht. Da wir aber vorher ohnehin ein Nachtlicht brauchten, war das für uns trotzdem gut so.