Archiv für den Monat Dezember 2016

Schlafsack oder Decke

Bisher war ich immer neidisch auf die Familien, wo sich die Kinder so unkompliziert zudecken und mit warmen Füßen und ohne Erkältung schlafen. Mein Sohn liegt grundsätzlich neben der Decke. Und ich fragte mich, wie ich ihm das Zudecken beibringen kann. Die kleine Schwester ist auch grundsätzlich neben die Decke gerutscht, was im Sommer nicht so schlimm war. Im Winter sind wir also auch wieder auf Schlafsack umgestiegen.

Beim letzten Fieber haben wir bei der Schwester natürlich den Schlafsack ausgelassen wegen der Überhitzung und nur die Decke genommen. Da konnten wir die Wärme besser dosieren. Und das Ergebnis nach der überstandenen Erkältung war überraschend: Das Mädchen legt Wert auf seine Decke und verlangt auch zum nur mal daliegen und ausruhen eine Decke. Sie streckt mir die Füße schimpfend entgegen und will bitte zugedeckt werden. Und früh liegt sie immer noch warm und eingekuschelt unter der Decke.

Jetzt bin ich mir sicher, dass auch das Zudecken eine Typfrage ist. Die einen mögen es mit Decke, die anderen eben nicht. Mit beibringen ist da auch nicht viel, eher mit Vorliebe.

Advertisements

Wärmebedarf eines Babys

Unsere Stillberaterin hat mir mal das wichtigste erklärt zum Wärmebedarf eines Babys. Nach der Geburt muss man Babys ja immer schön warm anziehen, weil sie so frieren. Die Übergangszeit dauert aber nur 2-3 Wochen. Danach ist das Baby schon auf der Welt angekommen und braucht nur noch so viel wie seine Mutter zum anziehen oder eine Lage mehr. Überflüssig ist also, was ich im Frühsommer auf dem Spielplatz gesehen habe: Das Kind hatte eine Strumpfhose mit Hose drüber an, ein langärmliges Oberteil mit Wollstrickjacke drüber und Mütze. Seine Mutter hingegen saß kurzärmlig in der Sonne.

Kinder brauchen nicht dringend eine Mütze. Wenn sie windgeschützt und sonnengeschützt im Wagen liegen und es sind 30°C, kann man die Mütze ohne schlechtes Gewissen weglassen. Das Kind wird sich nicht erkälten. Bei Mützen muss man sehr aufpassen, im Sommer eine richtig dünne zu erwischen.

Kalte Hände und Füße heißen nicht automatisch, dass ein Kind friert. Wenn dem Kind heiß ist, muss es seinen Körper runterkühlen, und das geht wie beim Elefanten mit den großen Ohren, wenn die Hände oder Füße kühl sind. Ein echtes Zeichen sind die Armbeugen und die Kniekehlen. Wenn die bedeutend wärmer sind als die Hände und Füße, ist dem Kind warm. Wer richtig auf Nummer sicher gehen möchte,liegt Finger in den Nacken oder an eine Stelle, wo das Baby drauf liegt. Wenn es dort feucht oder nassgeschwitzt ist, dann ist dem Kind zu warm. Dann muss es dringend ausgezogen werden.

PEKIP-Kurse bieten an, die Kinder nackt krabbeln zu lassen. Dafür wird der Raum auf 27°C hochgeheizt. Dies hab ich für mich auch als Nackttemperaturgrenze zu Hause genommen und die Kinder nur in Windel krabbeln lassen. Auch Schlafen in Windel, evt. mit einem Seidentuch bedeckt, geht gut. Meistens war ich verfrorener als meine Kinder. Wenn jemand in einer Dachgeschosswohnung wohnt mit 30°C im Sommer und sein Kind mit Body schlafen lässt und noch die Füße zudeckt, der kann damit rechnen, dass das Kind schwitzt. Dann ist es für das Kind gesünder, einfach mutig alles auszuziehen und das Kind nackt liegen zu lassen.

Im Winter ist es jedoch tatsächlich wichtig, das Kind warm genug anzuziehen. Gerade wenn Kinder im Wagen liegen oder sitzen und sich nicht bewegen, muss es warm genug sein. Wenn das Kind auskühlt, ist es anfälliger für Infekte.

Linktipp: spielzeugfreies Kinderzimmer

Eine Freundin hat mir aus ihrer Ausbildung erzählt, was sie über spielzeugfreie Kindergärten gelernt hat. Spielzeugfrei sind Projektzeiten im Kindergarten zwischen 6 Wochen und 3 Monaten. Das meiste  eindimensionale Spielzeug wie Puppen, Fahrzeuge und Kochecke werden für die bestimmte Zeit eingepackt. Mehrdimensionales Spielzeug wie Stifte, Papier, Tücher, Decken oder auch ausgewählte Bausteine (z.B. Kappla) werden bei den Kindern gelassen. Im Ergebnis lösen sich feste Spielgruppen öfter auf und es bilden sich neue Spielgruppen, die nahezu alle Kinder integrieren. Die Einteilung nach Mädchen- und Jungenspiel löst sich auch in ihrer absoluten Trennung auf und es gibt überschneidende Spiele. Selbst in der ersten Klasse sind noch Nachwirkungen spürbar von der 3-monatigen spielzeugfreien Zeit im Kindergarten. Die Kinder sind sozial kompetenter und konzentrierter als Gleichaltrige ohne spielzeugfreie Projektzeit während des Kindergartens.

Gehört hatte ich schon von den Projekten aus anderen Kindergärten. Beeindruckt hat mich aber, dass die Wirkungen bis in die Schulzeit hinein reichen.

Etwas später fingen bei uns zu Hause die Streitereien zwischen den Kindern um das Spielzeug an. Die Schwester fing an zu krabbeln und das Spielzeug vom Bruder zu nehmen. Der Bruder fing an, schon vorbeugend alles wegzunehmen und überhaupt. Die Schwester war zum Spielen zu klein und verstreute alles. Der Bruder machte mit und schoss alles rum. Wir passten auf, dass nichts zu Bruch geht. Das Gestreite und Geschimpfe nervte besonders uns Erwachsene und es entstand sehr schnell der Gedanke, einfach den Grund des Streitens / das Spielzeug mal wegzunehmen.

Aber wie macht man das zu Hause? Google kann an der Stelle kaum helfen. Es gibt zwar inzwischen viel Informationen über spielzeugfreie Kindergärten. Aber nichts über zu Hause. Bis ich auf die Seite gestoßen bin: Spielzeugfreies Kinderzimmer. Die Eltern schrieben ebenfalls, dass sie angenervt waren von dem wild herumliegenden Spielzeug. Und sie haben tolle Ideen, wie man Spielzeugfrei zu Hause umsetzen kann, mit Spielzeugtauschmöglichkeiten und wie sie sich mit den Kindern gemeinsam abstimmen. Großartig.

Und dann stand meine Idee, die Adventszeit bei uns zu Hause auch spielzeugfrei (na gut, eher spielzeugarm) zu gestalten. Und mit dem Sohn habe ich eine ganze Menge Spielzeug schlafen gelegt, wir haben extra noch einen Mond und Sterne für das Spielzeug gemalt, damit es sich alleine nicht fürchten muss. An jedem Adventssonntag bieten wir eine Tauschmöglichkeit an (und wegen Krank auch mal zwischendurch).

Spannend finde ich, welches Spielzeug er wirklich braucht. Die kleine Schwester braucht von sich aus sowieso noch kein Spielzeug. Sie wuselt durch die Wohnung und ist noch im Entdeckermodus. Sie liebt besonders die Bilderbücher und den Sandschieber. Für die Adventszeit habe ich extra noch mal Nachschub an Sand gekauft. Er spielt am liebsten seine Autos, baut aber nicht mehr enorm viele Ecken auf, sondern hat durch die reduzierte Anzahl nur noch eine Straßenecke. Ansonsten spielt er wie vorher, er schaut etwas Bücher an und wünscht sich auch mal ein Spiel oder Malen mit den Erwachsenen.

Insgesamt haben wir jetzt fast 4 Wochen durch. Und entweder war es sowieso an der Zeit, dass sie anfangen, sich begrenzt als Spielpartner wahrzunehmen oder es hat vielleicht sogar ein bißchen mit dem geringeren Streitangebot zu tun. Ich erlebe wohltuend, dass das Aufräumen absolut leichter ist. Und da nicht mehr an 5 oder 6 Stellen Autos aufgebaut sind, an die keiner dran stoßen darf, macht die kleine Schwester automatisch weniger „falsch“, wenn sie irgendwo spielt, wo früher seine Autos standen und heute aber Platz ist.

Wir werden auf jeden Fall das ein oder andere als Anregung mitnehmen. Besonders toll fand ich die Hinweise, welches Spielzeug sich Kinder wünschen und was Eltern schenken sollen. Damit habe ich für dieses Weihnachtsfest einfach kaum was für die Kinder gekauft. Es gibt für jeden ein gedrucktes Babyfotobuch, weil sie sich gern anschauen. Und für den Großen habe ich ohne seinen Wunsch ein Stethoskop gekauft, weil es für Kinder sehr spannend sein kann, ihre Umwelt zu entdecken und zum Beispiel Bäume zu hören. Ich habe mich aber schon darauf eingestellt, dass es ihm nichts bedeuten wird. Mehr überflüssiges Spielzeug wird es von uns nicht geben.

dsc02683-2Das meiste, was wir zwischendurch feststellen, kriegen die Kinder (leider) schon zwischendurch, wie den Spielsand im Schieber. Der hat sich aber als Alternative zum Spielzeug während unseres Projekts absolut bewährt. Und neugierig bin ich auf nächstes Jahr, wenn er anfangen wird, sich tatsächlich selbst Dinge zu wünschen.

Richtige Kleidung für Kerzen und Lagerfeuer

Unser Nachbar war lange bei der freiwilligen Feuerwehr. Wenn wir gemeinsam gegrillt haben, hat er immer eine Trainingshose von der Feuerwehr angehabt. Aber eben keine normale Trainingshose, sondern eine aus Baumwolle. Er hat uns erklärt, dass sie immer wieder darauf hingewiesen worden sind, bei Feuer nur Baumwollsachen oder explizit langsam brennende Sachen zu tragen. Alles, was aus Polyester und Fleece ist, war untersagt.  Kunststoffkleidung brennt enorm schnell. Baumwolle bekommt bei Funkenflug das klassische Brandloch, bei Polyestersachen hat man schnell mal den ganzen Oberkörper oder die gesamten Beine verbrannt und ist entsprechend schwer verwundet, Kinder oft tödlich.

Seitdem passe ich immer auf, was die Kinder tragen in der Nähe von Feuer, wie nahe sie ran dürfen. Und der Große darf schon mit den langen Kaminhölzern Kerze anzünden. Dort übe ich aber zu seinem Leidwesen fast immer vorher ohne Feuer, was er macht, wenn es an der Hand heiß wird. Er hat von mir die Anweisung, das Streichholz immer auf den Tisch fallen zu lassen, weil ich natürlich Sorge habe, wenn es auf seinen Fleecepulli fällt. Das hat er inzwischen auch gut raus und zeigt es mir immer schon freiwillig vorher, was er machen muss.