Archiv für den Monat August 2016

Babys baden in Gesellschaft

Krippenerzieher wissen häufig einiges über Babys Welt und das Lernen von Babys. Solche Gespräche sind für mich sehr aufschlussreich.

Wenn Babys anfangen, mobil zu werden, stehen sie noch nicht wie ein Erwachsener aus den Beinen auf, sondern stützen sich auf die Hände, recken den Po in die Luft und vom Po her kommt dann der Rücken und der Kopf nach oben. Während der Po aber oben ist, ist der Kopf noch ganz unten über dem Boden. Beim Baden taucht die Stirn also ins Wasser, selbst wenn das Wasser nur knöcheltief ist.

Das Gleichgewichtsorgan von Babys ist auch noch nicht fertig „kalibriert“. Mit geschlossenen Augen kann ein Baby sich noch nicht im Raum orientieren, sie brauchen das Bild vom Sehen, um herauszufinden, wie rum sie gerade liegen und wo oben und unten ist. Wenn ein Baby auf dem Bauch liegt und die Nase auf den Boden zeigt, muss es sich am Raum orientieren, um zu wissen, wie es aufstehen kann. Wenn es im knöcheltiefen Wasser liegt und die Nase nach unten ins Wasser zeigt, kann es sein, dass es sich in der Panik nicht orientieren kann und, obwohl die Ohren staubtrocken sind, ertrinkt.

Und Babys kühlen schneller aus als Erwachsene und können daher auch schneller in Kältestarre verfallen und im Gartenteich ertrinken, wo ein Erwachsener sich noch lässig befreien könnte.

Deshalb: Babys NIE NIE NIE NIEMALS (und hier ist das NIE berechtigt) alleine baden lassen.

 

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Familientoilettensitz für die Katze

Der Große ist jetzt 3 Jahre alt und im Sommer nach seinem 2. Geburtstag trocken geworden, also nun schon ein gutes dreiviertel Jahr staubtrocken tagsüber und etwas kürzer auch nachts. Dabei haben wir ihn natürlich mit dem verfügbaren Topf geködert, immer da, immer einsetzbar und kurze Wege. Es ist aber keine Dauerlösung, kleine Kinder im Zimmer auf den Topf zu setzen, also wurde der Umzug auf das große Klo geplant.

Kinder haben Angst vor dem Reinfallen und ihre Füße reichen noch nicht auf den Boden. Abhilfe schafft ein Höckerchen und eine Sitzverkleinerung. Aus meiner Kindheit kenne ich noch von der Oma die Sitzverkleinerung, die unter die Brille gepackt wird und ich habe als Erinnerung vorangig die Schmerzen im Kopf, weil es mir an den Oberschenkeln immer einen Streifen Haut einklemmte. Das wollte ich für meine Kinder nicht, also suchte ich irgendeinen tollen Sitz zum Auflegen. Dann sollte er natürlich für das Kind möglichst eigenständig erreichbar sein. Ich las mich also durch das Angebot und bin bei den recht coolen Prinzip des Familiensitzes hängengeblieben und las nun verschiedene Rezensionen. Von Begeisterung über die Alltagstauglichkeit (Kinder öffnen einen kleinen Deckel und Erwachsene einen großen, es muss nichts umgebaut werden) bis Ernüchterung über die schlechte Qualität. Ich suchte also nach einem, der robust wirkte, schaute ihn im Baumarkt an und fand ihn für tauglich. Wir bauten ihn zu Hause an, und waren sehr zufrieden, das Kind war noch etwas langsam in der Umgewöhnung von Topf auf großen Topf, aber wir hatten wenig Aufwand.

Aber nach einem halben Jahr ließen die Befestigungsschrauben nach, mit denen der Sitz auf der Keramik befestigt wird. Dafür, dass ein Kind ca 2-3 Jahre auf der Sitzhilfe verbringt und wir ja für 2 Kinder geplant hatten, war ich sehr enttäuscht. Die Schrauben waren aus Plaste, und laut der Rezensionen war dies wohl bei allen Modellen der Fall. So sah unser Fazit nach einem halben Jahr aus: Einkaufspreis in der Mülltonne versenkt und den alten  normalen Deckel wieder aufgebaut. Die Großeltern hatten eine Sitzverkleinerung im Discounter gekauft, mit der mein Sohn gut zurecht kommt und die zum Obenauflegen ist. Sie hat einen 5er gekostet und zog umgehend auch bei uns zu Hause ein. Die Brille hat am Ende eine Öse zum Aufhängen, der Sohn kann sie mit 3 Jahren selbständig aufbauen, der Haken ist unter dem Waschbecken in erreichbarer Höhe.

Der Familientoilettensitz ist eine tolle Erfindung, aber aufgrund der in allen mir bekannten Fälle sehr günstigen Herstellungsweise leider für die Katz und nicht fürs Kind.

 

Reden mit Worten und Händen

Manchmal frage ich mich, ob mein Kind mir überhaupt mal zuhört. Ich sage: „Lass die Füße unten“, weil er sonst beim Sitzen umkippt, wenn er Zähne putzt und die Füße dabei in Richtung Schultern zappeln. Der Fuß geht runter. So wie er unten ankommt, geht er wieder hoch und der Oberkörper neigt sich bedenklich. „Lass die Füße unten“, der Fuß geht runter und wieder hoch, „Füße runter“, Fuß geht runter, wieder hoch und der Oberkörper kippt, …

Was kann ich noch tun? Ich probiere es mit Händen. „Füße runter“ und gleichzeitig den Fuß anfassen und sanft nach unten weisen. Aha. Der Fuß bleibt unten. Mit Hilfe von Anfassen verstehen Kinder anscheinend besser.

Beim Schuhe anziehen wusste ich das zwar, dass es hilft, den passenden Fuß zum Schuh zu berühren, aber bei meinem Sohn ist es auch bei anderen Ansagen hilfreich.

 

Wenn das Kind trotzt und bockt

Leider kann man Eltern keine sichere Methode anbieten, weil (wie man überall hört) jedes Kind und alle Eltern anders sind und in der Mischung jede Beziehung einzigartig ist. Selbst was bei Geschwistern geklappt hat, geht bei dem einen Kind leider nicht. Warum suchen Eltern dann trotzdem nach einer Methode oder gehen gar zur Beratungsstelle?

So vielschichtig wie Beziehungen sind, so verschieden kann die gleiche Lösung auch helfen. Bei dem einen Kind hilft die Lösung, weil sie passend ist, bei dem anderen Kind entspannt sich das Elter (Mutter oder Vater), weil sie wieder Handlungsoptionen gewonnen haben, und nicht die Lösung, aber die Entspannung hilft.

Deswegen will ich meinen derzeitigen Umgang mit dem Bocken mitteilen. Mein großer Sohn ist gerade mitten im schönsten Trotzen und bekommt langanhaltende Wut- und Schreiattacken, die er mit viel Ausdauer zelebriert. Da hilft dann kein Ignorieren oder gutes Zureden oder sonstwas. Wenn wir zu zweit sind (wegen der kleinen Schwester), ziehe ich ihm aber Schuhe an und gehe mit ihm raus rennen. Innerhalb von ca. 70 Metern ist er dann wieder friedlich. Warum, weiß ich nicht, ich kann nur mutmaßen. Draußen schallt heulen nicht, sondern verteilt sich und klingt nicht mehr so schön. Vielleicht kann er sich auch nicht mehr so auf das Schreien konzentrieren, wenn er rennen muss. Und zu guter Letzt, ich darf ihn, wenn er schreit, drinnen zwar nicht anfassen zum Beruhigen, aber wenn wir rennen gehen, nehme ich ihn einfach mit. Und Kinder sind sensorische Wesen, also spürt er mich trotz unseres Konfliktes und ich bin ihm nahe, wenn ich seine Hand festhalte. Vielleicht ist auch das ein Grund. Alles in allem funktioniert es (und ich hoffe, auch noch weiter, obwohl ich es grad aufgeschrieben habe).